Das Ekel
Das Ekel
Der Mann war von Lotte gegangen,
da ist ihr ein Licht aufgegangen,
dass sie so frei wie ein Vogel war
an jenem Morgen im Februar.
Eine Ehe ist es nicht mehr gewesen,
Oskar hatte ein fürchterliches Wesen.
Tagtäglich gab es Zank und Streit
um die geringste Kleinigkeit.
Im letzten Oktober wurde er krank,
der Arzt meinte, es dauere nicht mehr lang,
er könne den Krebs nicht überleben,
eine Heilung würde es nicht geben.
Nun lag er vor ihr leblos und stumm,
und Lotte wusste nicht warum
es nichts in ihrem Herzen wühlte
und sie keinerlei Trauer fühlte.
Ein liebloses Nebeneinanderleben
kann sogar großen Hass ergeben.
Oskar's dauerndes Brüllen und Schreien
war der Hauptgrund für beider Entzweien.
Der Leichenbestatter Freilichgrath
ganz unbeteiligt das Erforderliche tat.
Gewissenhaft tat er seine traurige, Pflicht,
was Lotte erbat, das verstand er nicht.
"Ich habe eine große Bitte,
ich weiss, es ist nicht Sitte,
legen Sie ihn bitte auf den Bauch,
obwohl es nicht der normale Brauch.
Sollte mein Mann unerwartet erwachen,
könnte er etwas Unerwünschtes machen,
und das möchte ich durchaus nicht haben,
so könnte er nur nach unten graben !"
© Karl-Heinz Fricke 01.08.2008

